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Grundschule

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Leben in Rieden früher

Vor einigen Jahren interviewte die „Lupe“ Frau Frieda Spies über ihre Schulzeit in Rieden während des 2. Weltkrieges. Der preisgekrönte Artikel ist auch noch auf dieser Schulhomepage  nachzulesen.

Dieses Jahr interessierte die Lupe vor allem, wie das Leben eines Kindes neben der Schule ausschaute...

  Frau Spies, wir würden mit Ihnen über das Leben in Rieden während Ihrer Kindheit sprechen.

  Wie sah Ihr Elternhaus aus?

Vor 60 Jahren hatten wir wie viele andere Menschen in Rieden eine kleine Landwirtschaft. Wir hatten ein paar Kühe, Hühner, Gänse, Schweine und Kälber. Ab und zu hatten wir auch noch Ziegen. Man konnte davon fast leben. Es gab auch schon einige größere Bauernhöfe.

  Wann stand man normaler Weise morgens auf?

Wir Kinder standen etwa gegen 6.30 Uhr auf. Unsere Eltern waren zu der Zeit allerdings schon lange im Kuhstall um zu melken.

  Wie verlief der Vormittag?

Zunächst wurde gefrühstückt. Es gab Milch und Malzkaffee mit selbstgebackenem Brot mit Butter. Vor  der Schule gingen wir jeden Tag zunächst noch in die Kirche. Schulbeginn war um 8.00 Uhr, auch am Samstag! Nach der Schule mussten wir zur Sommerzeit nach dem Mittagessen mit hinaus auf das Feld oder mit Gänsen und Kühen auf die Weide. Dort wurden auch die Hausaufgaben gemacht. Vorher mussten wir aber die Schulkleidung ausziehen, da diese die ganze Woche über getragen werden musste.

  Welche Kleidung trug man denn damals?

Für die Mädchen gab es noch keine Hosen. Wir hatten Kleider bis weit unter das Knie an. Heute gibt es ja fast wieder die gleiche Mode. Über die Kleider trugen wir meist gestrickte Schürzen. Die Kleinen mussten von den älteren Geschwistern alles auftragen. Mein Lieblingskleid war rotkariert.

  Fuhr man oft in die Stadt?

Nein, eher selten. Man fuhr damals mit dem Zug oder auch mit dem Fahrrad, da es zu der Zeit weder Bus noch Auto gab.

  Wo kaufte man denn dann ein?

Damals konnte man fast alles in Rieden einkaufen. Es gab 5 Lebensmittelgeschäfte, 3 Bäckereien, 1 Schuhgeschäft, 1 Bader (Frisör), 2 Flickschuster, 2 Schreibereien, 2 Wagner, 3 Schmiede, mehrere Schneider und Schneiderinnen, 1 Mühle, 2 Polstereien, 2 Baugeschäfte, 1 Sägewerk und 7 Wirtshäuser.

  Hatten Sie ein Fahrrad?

Mein erstes und einziges Fahrrad bekam ich mit 14 Jahren, als der Krieg zu Ende war. Es war rot.

  Welches Spielzeug hatten Sie?

Wir hatten nicht viel: Ein paar Schusser, ein Springseil, Bälle, Bauklötze und Holzspielsachen, die unser Vater selbst gebastelt hatte. Den Puppenwagen, die Puppenküche und die Puppe mussten ich mit meinen Geschwistern teilen. Stoffpuppen und Puppenkleider haben wir uns aus Stoffresten selbst genäht.

  Gab es einen Spielplatz?

Nein, wir konnten im Hof, im Garten und selbst auf der Straße spielen, da es nahezu keinen Verkehr gab. Es gab überhaupt in ganz Rieden nur 3 oder 4 Autos!

  Traf man sich mit Kindern aus anderen Orten?

Kinder aus anderen Orten kannte man damals kaum.

  Welche Spiele spielte man?

Wir spielten vor allem im Freien. Dort machten wir Ball-, Fang-, Versteck- und Ratespiele. Auch Mühle und Dame konnte damals jedes Kind. Weiterhin malte, sang und las man viel. Ich las am liebsten Märchenbücher.

  Was gab es zum Mittagessen?

Sehr oft Suppe und Mehlspeisen aller Art.  Im Sommer aß man viel Gemüse und Salat aus dem Garten. Abends gab es Aufgewärmtes vom Mittag oder Butterbrote.

  Was machte man am Abend?

Fernsehen gab es damals noch nicht. Wir saßen alle zusammen in der Küche und haben uns unterhalten und vom Tag erzählt. Dazu machten wir Handarbeiten. Der Vater las dabei aus der Zeitung vor. Gegen 8.00 Uhr gingen meist alle ins Bett. Auch die Eltern, da diese schon um 5.00 Uhr aufstehen mussten.

  Wie sah der Sonntag aus?

Wir Kinder durften bis um 9.00 Uhr schlafen. Um 10.00 Uhr war Gottesdienst und um 11.00 Uhr gab es schon Mittagessen. Nachmittags haben wir gespielt. Ab und zu durften wir auch ins Kino gehen, das damals fast jede Woche nach Rieden kam.

  Wohin fuhren Sie in den Urlaub?

Zu meiner Zeit wussten wir noch gar nicht, dass es Urlaub gab.

  Wie wurde der Geburtstag gefeiert?

Der Geburtstag wurde überhaupt nicht gefeiert! Diesen Brauch brachten erst nach dem Krieg die Flüchtlinge aus Schlesien nach Rieden. Dafür feierte man aber damals den Namenstag. An diesem Tag gab es immer einen selbstgebackenen Kuchen.

  Und wie war das an Weihnachten?

Darauf haben wir uns damals immer besonders gefreut! Da gab es das beste Essen des Jahres und jeder bekam auch einen „bunten Teller“ mit Süßigkeiten. Auch ein kleines Geschenk bekam jeder. Wir konnten es immer kaum erwarten. Wir stöberten schon Wochen vorher das ganze Haus durch. War ein Schrank verschlossen, wussten wir: Da sind die Geschenke drinnen!

  Wer wohnte damals alles in Ihrem Elternhaus?

Natürlich meine Eltern, ich mit meinen 3 Geschwistern und eine Tante.

  Wie viel Geld hatte man zur Verfügung?

Geld brauchte man nicht so viel wie heute. Das Leben war nicht so teuer. Während der Kriegsjahre hätte man aber auch selbst wenn man Geld gehabt hätte nichts dafür kaufen können, da es nichts gab.

  Wie war das Leben während des Krieges? Hatten Sie da Angst?

An diese Zeit kann ich mich noch recht gut erinnern. Es gab für jede Familie Lebensmittelkarten. Abends mussten alle Fenster und Türen abgedunkelt werden, damit die feindlichen Flugzeuge kein Licht sahen. Angst hatten wir vor allem um unseren Vater, der auch im Krieg war. Wir freuten uns wahnsinnig, als er nach dem Krieg wieder gesund nach Hause kam.

  Wären Sie lieber heute ein Kind?

Nein, nein, heute möchte ich kein Kind sein, weil die Welt so unruhig und gefährlich ist. Ich hatte eine schöne Kindheit. Meine Mutter war immer da, wir waren nie alleine. Früher mussten die Mütter nicht zur Arbeit gehen. Wir haben von unseren Eltern auch sehr viel gelernt, da sie auch viel Zeit für uns hatten.

 

Frau Spies, wiederum vielen Dank für dieses interessante Gespräch!